• 15. Januar 2019
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[Lukas in Peru] Ausschnitte aus dem Ersten Patenbrief

Lukas, seit einem Monat in Lima, erzählt uns in seinem ersten Paten­brief von den ersten Ein­drücken im neuen Viertel:

Liebe Paten,
(...) Im Moment habe ich drei Gemein­schafts­ge­schwister, mit denen ich gemeinsam die Mis­sion lebe: Char­lotte aus Frank­reich, Ines aus Polen und Mariano aus Argen­ti­nien, der drei Wochen nach mir hier ange­kommen ist. Unsere Gemein­schaft habe ich bisher immer als einen sehr berei­chernden und erfreu­li­chen Teil der Mis­sion erfahren. Wir haben viel Freude gemeinsam, führen aber auch ernste Gespräche und Dis­kus­sionen. Da Char­lotte und Ines beide schon län­gere Zeit hier im Haus leben (jeweils 2 Jahre und 6 Monate) und dadurch schon einige Erfah­rung besitzen, konnten sie mir vor allem in den ersten Wochen viel helfen.

In dieser Zeit hatten wir jedoch auch alle Hände voll zu tun, da wir zusätz­lich zu den nor­malen Auf­gaben noch Bau­ar­beiten an unserem Haus hatten. Und obwohl uns von Zeit zu Zeit auch Schwes­tern von Offenes Herz aus­halfen, waren wir doch alle sehr froh, als wir Mariano schließ­lich in unserer Gemein­schaft begrüßen konnten.

Die­je­nigen jedoch, die sich wahr­schein­lich am meisten über seine, wie auch schon über meine Ankunft gefreut haben, waren die Kinder aus dem Viertel. Sie waren begeis­tert, nach einer langen Zeit mit über­wie­gend weib­li­chen Frei­wil­ligen end­lich wieder neue „her­ma­ni­tos“ zu haben, wie sie uns lie­be­voll nennen (wörtl. Brü­der­chen).

Durch die Freund­schaft und das Ver­trauen, die uns diese Kinder, die zum großen Teil aus schwie­rigen Ver­hält­nissen kommen, von Anfang an ent­ge­gen­ge­bracht haben, habe ich mich sofort auf­ge­nommen gefühlt. Auf­ge­nommen in die große Familie von Offenes Herz hier im Viertel. Außerdem habe ich ver­standen, warum wir Frei­wil­ligen oft auch „Freunde der Kin­der“ genannt werden. Denn tat­säch­lich machen diese einen großen Teil unserer Mis­sion aus. Fast jeden Nach­mittag beten wir mit ihnen gemeinsam den Rosen­kranz und haben danach Zeit zum Spielen, Malen, Reden oder Haus­auf­gaben machen. In diesen Stunden geht es oft sehr chao­tisch zu und es ist nicht leicht, auf die Kinder der ver­schie­denen Alters­gruppen ein­zu­gehen (2-14 Jahre). Doch egal, wie anstren­gend es manchmal ist, sind es immer wieder diese Jungen und Mäd­chen, die mein Herz berühren, wenn sie Schlange stehen, um auch einmal eine Runde Hucke­pack genommen zu werden, mich auf einen Fehler in meinem Spa­nisch hin­weisen oder an unsere Tür klopfen, um zu fragen, ob ich sie nicht mit zum Markt begleiten will. Ich glaube, dass wir viel von diesen Kin­dern lernen können. Zum Bei­spiel den Durst nach Liebe, die Fähig­keit zu ver­trauen oder zu bereuen und vor allem die reine, echte und manchmal sehr unge­stüme Freude und Begeis­te­rung, die sie oft an den Tag legen. Es ist wahr, dass sie sicher­lich keine Engel­chen sind, und viele von ihnen sind sehr ver­letzt aber nichts­de­sto­trotz strahlen sie eine Echt­heit und Unschuld aus, die ergrei­fend ist. Denn nicht umsonst heißt es „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder…“ (Mt 18,3)
(...)
Viele Grüße,
Lukas


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